Ein Fehler, den wir bei Projekten im Dresdner Elbtal immer wieder beobachten: Die Baugrundklasse wird allein nach der Korngröße festgelegt, ohne die Plastizität zu prüfen. Ein Auelehm mit 60 Prozent Schluff kann sich völlig anders verhalten als ein Lösslehm mit demselben Kornanteil. Wasserzugabe, Verdichtung, Frostempfindlichkeit – alles hängt von den Atterberg-Grenzen ab. Ohne diese Kennwerte bleibt jede Klassifikation nach DIN 18196 unvollständig. Unser Labor in Dresden ermittelt Fließ- und Ausrollgrenze nach DIN 18122-1 mit standardisierten Prüfgeräten. Die Plastizitätszahl liefert dann den entscheidenden Hinweis: Handelt es sich um einen leicht plastischen Ton, der bei Niederschlag aufweicht, oder um einen ausgeprägt plastischen Ton mit hohem Quellpotenzial? Diese Unterscheidung entscheidet über Aushubwiederverwendung, Gründungstiefe und Frostschutzmaßnahmen.
Die Plastizitätszahl nach Atterberg macht aus einer vagen Bodenansprache einen berechenbaren Baustoff – unverzichtbar für jede Gründung im Dresdner Auelehm.
Vorgehen und Leistungsumfang
Das Dresdner Klima mit seinen kalten, feuchten Wintern und warmen Sommern setzt bindigen Böden stark zu. Frost-Tau-Wechsel im Februar, wenn die Elbe Hochwasser führt und der Grundwasserspiegel steigt, können einen TL-Boden innerhalb von Tagen in eine breiige Konsistenz versetzen. Deshalb reicht die reine Bestimmung nach DIN 18122 oft nicht aus. Wir kombinieren die
Korngrößenanalyse mit dem Sieb- und Schlämmanalysen-Verfahren, um den Feinkornanteil exakt zu quantifizieren. Bei Aushubarbeiten im Stadtgebiet Dresden, etwa in der Neustadt oder im Hechtviertel mit seinen heterogenen Auffüllungen, ergänzen wir die Atterberg-Grenzen durch
Proctor-Versuche. So lässt sich der optimale Wassergehalt für die Wiederverfüllung direkt ableiten. Der Vorteil für die Bauleitung: Sie bekommt nicht nur eine Konsistenzzahl, sondern eine klare Aussage zur Verdichtbarkeit des anstehenden Materials unter den jahreszeitlich schwankenden Bedingungen im Elbtalkessel.
Lokale Besonderheiten
In Dresden sehen wir häufig, dass bei Baugrundgutachten von TL als 'schwach plastischer Ton' gesprochen wird, ohne die genaue Plastizitätszahl zu nennen. Das ist riskant. Ein Boden mit IP = 7 Prozent verhält sich bei Wasserzutritt fundamental anders als einer mit IP = 17 Prozent. In den Hanglagen von Loschwitz oder am Weißen Hirsch, wo Lösslehm auf verwittertem Granodiorit liegt, kann schon ein geringer Anstieg des Wassergehalts zu Kriechbewegungen führen. Die Atterberg-Grenzen sind hier das Frühwarnsystem: Liegt die natürliche Konsistenzzahl unter 0,75, ist der Boden weich und setzungsempfindlich. Ohne diese Zahl tappen Sie im Dunkeln. Bei Frost ändert sich das Volumen kapillar aktiver Böden sprunghaft – die Fließgrenze liefert den direkten Indikator für die Frostempfindlichkeitsklasse nach ZTVE-StB.
Fragen und Antworten
Was kosten Atterberg-Versuche im Dresdner Labor?
Die Bestimmung von Fließ- und Ausrollgrenze nach DIN 18122 kostet je Probe zwischen €50 und €110, abhängig vom Vorbereitungsaufwand und ob der natürliche Wassergehalt mitbestimmt werden muss. Bei Serien von mehr als fünf Proben aus demselben Bauvorhaben reduzieren sich die Kosten pro Einheit.
Wie viel Probenmaterial wird für die Atterberg-Grenzen benötigt?
Für eine vollständige Bestimmung benötigen wir etwa 200 Gramm getrockneten Feinboden mit Korngrößen unter 0,4 Millimeter. Entnehmen Sie die Probe aus gestörten Bodenproben, luftdicht verpackt, damit der natürliche Wassergehalt erhalten bleibt. Bei stark organischen Böden, wie sie im Großen Garten oder in den Elbwiesen vorkommen, ist eine größere Menge sinnvoll, da die organische Substanz vorher entfernt werden muss.
Welche Normen wenden Sie bei den Atterberg-Grenzen an?
Unser Labor arbeitet ausschließlich nach DIN 18122-1:1997-07 für die Fließ- und Ausrollgrenze. Die Bestimmung des natürlichen Wassergehalts erfolgt nach DIN EN ISO 17892-1. Mit diesen Werten klassifizieren wir den Boden gemäß DIN 18196 und leiten die Frostempfindlichkeitsklasse nach ZTVE-StB ab. Jeder Prüfbericht enthält die vollständige Dokumentation des Versuchsablaufs mit Einwaagen und Schlagzahlen.